Beitrag vom 22. September 2026

Die Wikinger kommen an die Xantener Südsee

Märkte & EventsNordrhein-WestfalenMarktberichtWikingerfest

Schon einmal kamen Nordmänner nach Xanten, um 863, den Rhein herauf und mit ganz anderen Absichten. Sie verwüsteten die Stadt und zerstörten die Kirche des heiligen Viktor. Gut 1160 Jahre später legen wieder Wikingerschiffe an, diesmal am Strand der Xantener Südsee und mit Gästen statt Beute an Bord. Wir waren am Sonntag, dem 20. September, bei der Premiere von Die Wikinger kommen! in Xanten, zu zweit und ab etwa 12 Uhr. Mitgeschrieben haben wir, was die Schiffe ausmacht, welches Duo uns mit seiner Stimmgewalt begeistert hat und für wen sich der Weg an die Südsee lohnt.

Pünktlich zur Öffnung hört der Regen auf

Der Sonntag begann, wie ein Septembertag am Niederrhein eben beginnen kann. Bis kurz vor dem Start hatte es geregnet, pünktlich zur Öffnung hörte es auf, und zurück blieben nasse Wiesen, ein grauer Himmel und ein frischer Wind, der uns den ganzen Tag begleitete. Im Lauf des Tages riss die Wolkendecke auf, und irgendwann zeigte sich sogar noch die Sonne.

Die Anreise ist unkompliziert. Direkt neben dem Gelände liegt ein großer Parkplatz, die Zufahrt ist ausgeschildert, und wer aus Xanten oder dem Umland kommt, ist mit dem Rad genauso gut bedient. Trotz des nassen Starts war es zu Beginn schon voller, als wir erwartet hatten, und ab etwa halb zwei füllte sich das Gelände noch einmal spürbar.

Seeblick statt Burgmauern

Für ein Mittelalterfest ist der Schauplatz ungewöhnlich, und genau darin liegt sein Reiz. Der Blick über die Südsee ist schön, das Wasser liegt weit und offen vor dir, und Wikingerschiffe vor einem Sandstrand sind ein Bild, das dir keine Burgwiese bieten kann.

Mittelpunkt des Fests ist die große Wiese neben dem Strand. Dort sind die Wege gut angelegt, und du findest dich ohne Mühe zurecht. Ein Teil der Stände und Heerlager zieht sich zusätzlich ein Stück am Ufer entlang. Dass die Xantener Südsee ein moderner Freizeitsee ist, merkst du an den Gebäuden der Badeanlage, an Metallstegen und Schwimmbojen. Wer ganz in die Wikingerzeit eintauchen will, braucht hier etwas Fantasie, dafür bekommst du viel Weite und Seeblick zum Bummeln.

Zwei Wikingerschiffe zum Mitrudern

Das Herzstück dieses Fests liegt auf dem Wasser. Zwei Wikingerschiffe waren am Sonntag im Einsatz, und von 11 bis 17 Uhr durfte jeder kostenlos mit auf den See. Den Haken verrät der Programmzettel mit einem Augenzwinkern. Du musst mitrudern.

Wir haben uns das Treiben vom Strand aus angesehen, und schon das lohnt sich. Bis zu elf Leute saßen in einem Boot, eine Runde dauerte zehn bis höchstens 15 Minuten. Am Anleger war den ganzen Tag etwas los, doch weil die Runden kurz sind, baute sich die Schlange zügig ab, und lange warten musste niemand. Kaum ein anderes Angebot auf dem Gelände wurde so gut angenommen, und das zu Recht. Ein Wikingerfest, bei dem du selbst zum Ruder greifst, findest du nicht an jedem See.

Am Amboss glüht das Eisen

Ein Stück vom Wasser entfernt arbeitete ein Schmied am offenen Feuer. In der Esse glühte die Kohle, die Zangen lagen griffbereit am Rand, und auf dem Amboss wurde ein glühender Eisenstab Schlag für Schlag in Form gebracht. Solche Stände sind oft die ruhigsten Plätze eines Markts, und genau deshalb bleibst du dort gern ein paar Minuten länger stehen.

Heerlager und Stände im Zeichen der Nordmänner

Die Heerlager sahen richtig gut aus. Zelte, Schilde und Ausrüstung trugen das Wikingerthema so stimmig, wie du es dir von einem Fest dieses Namens wünschst. Anders als beim ANNO 1238 in Telgte, wo wir mitten durch die Lager liefen, liegen sie in Xanten etwas ruhiger im Hintergrund, nicht abseits, aber mit ein paar Schritten Abstand zum Markttreiben.

Bei den Ständen setzt das Fest auf ein ausgewogenes Sortiment, in dem vom Handwerk bis zur Wegzehrung vieles vertreten ist. Das Angebot an Ständen und Waren ist angenehm abwechslungsreich, und für einen Markt dieser Größe ist das keine Selbstverständlichkeit.

Zwei Stimmen, die einen ganzen Strand füllen

Das Bühnenprogramm wechselte am Sonntag zwischen Musik und Gaukelei, vom Auftakt mit Dragol um 11 Uhr bis zum Tavernenspiel aller Akteure um 18:30 Uhr. Unser Höhepunkt war eindeutig Dragol. Das Duo bringt nordisch-mythische Klänge auf die Bühne, mit einer männlichen und einer weiblichen Stimme, die beide auf ihre eigene Art einen erstaunlich vollen Klang haben. Zusammen füllen sie den Raum mit einer Stimmgewalt, bei der du kaum glauben magst, dass da „nur“ zwei Menschen auf der Bühne stehen.

Auch Feuerdorn haben mit Dudelsäcken und großer Trommel richtig gut abgeliefert. Die Spielleute spielen kraftvoll und mit viel Druck, und ihre Auftritte zogen sich wie ein Taktgeber durch den Tag.

Angekündigt war außerdem Eisenhans, der stärkste Mann der Welt, der es laut Veranstalter aber nicht mehr an Bord geschafft hat. An seiner Stelle standen Joschi, Rudergänger und Meister der Gaukelei, und Laurin mit seinen fliegenden Stäben auf der Bühne.

Die Wikinger in der Arena ziehen die Menge an

Zweimal am Tag, um 13:30 und um 16:30 Uhr, traten die Wikinger in der Arena an, und kaum ein Programmpunkt war so gefragt. Die Arena war ein mit Band abgestecktes Quadrat mitten auf dem Rasen, und rundherum standen die Gäste dicht an dicht.

Wer die Kämpfe gut sehen wollte, brauchte einen Platz in den vorderen Reihen. Viele Eltern hatten ihre Kinder auf den Schultern, und ab der dritten Reihe wurde die Sicht knapp. Mit einem Sitzbereich für Kinder direkt am Band hätten auch die hinteren Reihen noch mehr davon gehabt.

Viel Programm für Kinder und Familien

Für Kinder hat das Fest mehr zu bieten, als seine Größe vermuten lässt. Es gab Schiffschaukeln, eine Malstation, einen Schießstand für Kinder und im Bühnenprogramm immer wieder Nummern, die sich an die Jüngsten richten. Das Programm insgesamt ist bunt gemischt und funktioniert für Familien ebenso wie für Marktgänger und Touristen.

Chickenwings, Pfannen und ein Teufelsbier

Die Tafel am Grillstand bot reichlich Auswahl, von Kartoffelecken und Chickenwings über Pilz-, Räuber- und Hexenpfanne bis zur Bratwurst. Wir hatten Chickenwings, Bratwurst und Kartoffelecken, und geschmacklich gab es nichts zu meckern.

Der Andrang zeigte, wie gut das ankam. Für Gegrilltes gab es nur diesen einen Stand, und die Schlange davor war entsprechend lang. Weil der Grill direkt neben der Bühne stand, baten die Darsteller zwischendurch darum, die Schlange etwas zu verlegen. Ein zweiter Grillstand würde sich bei so viel Zuspruch sicher lohnen.

Die zweite Pause haben wir an der Taverne eingelegt, bei einem Teufelsbier im Tonbecher. Die Taverne liegt nah am Hauptgeschehen, und von dort hast du einen schönen Blick über das Gelände und das Treiben davor. Die Getränkepreise lagen im üblichen Rahmen eines Mittelaltermarkts.

Jeder vierte Gast kommt gewandet

Gewandet musst du nicht kommen. Nach unserem Eindruck war etwa jeder vierte Gast in Gewandung unterwegs, in der Unterzahl also, aber keine Seltenheit. Wir waren selbst gemischt unterwegs, einer von uns im Wikingergewand, der andere in Alltagskleidung und mit der Kamera. Wer gewandet kommt, spart hier übrigens bares Geld, denn der Eintritt sinkt von 15 auf 10 Euro.

Kompakt und entspannt an einem halben Tag

Das Fest ist kompakt, und das macht den Besuch angenehm entspannt. Wir waren von etwa 12 Uhr bis kurz vor 15 Uhr dort, haben zwei Pausen eingelegt, die Stände mehrmals abgelaufen und einiges vom Bühnenprogramm mitgenommen. Danach hatten wir alles gesehen, ohne uns hetzen zu müssen.

Ein halber Tag reicht also gut aus. Mehr Zeit brauchst du, wenn du mitrudern willst oder zum Abend hin bleibst, wenn Joschi um 17:45 Uhr zu seinem feurigen Abschied antritt.

Für wen sich das Wikingerfest in Xanten lohnt

Wenn du in der Nähe wohnst, wenn dich Wikinger mehr reizen als Ritter oder wenn du mit Kindern unterwegs bist, ist das Fest ein sehr lohnendes Ziel. Die Schiffsrunden sind kostenlos, das Kinderangebot ist groß, und die Familienregel beim Eintritt macht den Tag für eine ganze Familie erfreulich günstig.

Uns persönlich zieht es im kommenden Jahr eher zu einer anderen Station des Veranstalters Sündenfrei, weil uns ein Schauplatz mit weniger moderner Kulisse mehr liegt. Das ist Geschmackssache, und wer Seeblick und kurze Wege schätzt, ist an der Südsee genau richtig.

Alle Infos zu Terminen und Eintritt findest du auf unserer Seite zu Die Wikinger kommen in Xanten. Weitere Feste der Nordmänner zeigt dir unsere Übersicht der Wikingerfeste, und was sonst in der Region ansteht, findest du bei den Mittelaltermärkten in Nordrhein-Westfalen.

Burg Panorama

Abonniere die Gilden-Post

Wir versenden unseren Newsletter nur nach bestätigter Anmeldung (Double-Opt-In). Mehr Informationen dazu findest du in unserer Datenschutzerklärung.